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Wie tief der Ölpreis noch fällt

  • Posted on:  Mittwoch, 05 November 2014 09:04
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Für Autofahrer und Besitzer von Ölheizungen ist die Lage derzeit erfreulich: Der Ölpreis ist dramatisch gesunken – Resultat des weltweit stark gestiegenen Angebots. Wie tief der Preis noch fallen wird.

Der Ölpreis ist dramatisch gesunken. Das Barrel Rohöl kostete am Handelsplatz London zu Jahresanfang und auch noch Anfang Juli etwa 110 US-Dollar. Inzwischen sind es nur noch 85 Dollar, Benzin- und Dieselpreise fielen zeitweise auf den niedrigsten Stand seit drei Jahren. Das Geld, das die Konsumenten beim Tanken sparen, können sie jetzt für andere Güter ausgegeben.

Trotzdem ist der aktuelle Preisverfall nicht unbedingt eine gute Nachricht für die Weltwirtschaft. Denn fallende Ölpreise sind oft die Folge einer stockenden Konjunktur und dementsprechend flauen Nachfrage. Als 2008 die Finanzkrise ausbrach, stürzte der Ölpreis in weniger als einem halben Jahr um 75 Prozent ab. Und auch in diesem Jahr reagierten die Erdölmärkte in London und New York immer wieder auf schlechte Konjunkturdaten aus Europa oder Ostasien mit überdurchschnittlichen Tagesverlusten.

Trübe wirtschaftliche Aussichten allein können den Abwärtstrend der vergangenen Wochen indes nicht erklären. „Es gibt ein steigendes Angebot an den Ölmärkten, das beeinflusst die Preise derzeit stärker als die Entwicklung der Nachfrage", sagt Carsten Fritsch, Rohstoffanalyst der Commerzbank in Frankfurt.
Allen politischen Krisen zum Trotz wird weltweit immer mehr Öl produziert. So hat etwa der irakische Ölexport unter dem Vormarsch der islamistischen Terrormilizen kaum gelitten.

Noch wichtiger für das Marktgeschehen im Oktober waren die Ereignisse in Libyen. Das nordafrikanische Land förderte und exportierte 2013 noch durchschnittlich fast eine Million Barrel Öl pro Tag. Dann versank Libyen im Bürgerkrieg, die Förderung sank auf etwa 200.000 Barrel am Tag.

Die Unruhen seitdem dauern zwar an, doch die wichtigsten Pipelines und Ölhäfen funktionieren seit September trotzdem wieder: Auch Milizenführer wollen eben am Erdöl verdienen. Mit 900.000 Barrel pro Tag ist das Land mittlerweile an die Märkte zurückgekehrt.

Folgen des Fracking

Hinzu kommt der Fracking-Boom in den USA, der die globalen Ölmärkte durcheinanderwürfelt. 2008 haben die Amerikaner pro Tag durchschnittlich 6,8 Millionen Barrel gefördert und 19,5 Millionen verbraucht. Fünf Jahre später ist der Verbrauch leicht auf 18,9 Millionen Barrel gesunken – die Produktion aber dank neuer Fördermethoden vom Fracking bis zur Querbohrung auf scheinbar erschöpften Ölfeldern auf zehn Millionen Barrel gestiegen.

Die Folge: Öl aus Angola und Nigeria, das bislang in die USA floss, wird jetzt in Europa angeboten, beobachtet Commerzbank-Analyst Fritsch. Auch dies hat den für Deutschland wichtigen Marktpreis in London so stark einbrechen lassen.

Weil die amerikanische Ölproduktion immer noch ungebrochen zunimmt, könnte der Preis in den kommenden Monaten weiter sinken. Es sei denn, Saudi-Arabien und seine Partner im Produzentenkartell Opec würden diese Rechnung durchkreuzen.

Gedrosselte Produktion für steigenden Wert

Schon oft haben die Saudis in Zeiten fallender Ölnotierungen ihre Produktion gedrosselt und so den Weltmarktpreis wieder in die Höhe getrieben. Der Hintergrund: Nach Berechnungen der Internationalen Energieagentur (IEA) würde der saudische Staatshaushalt zusammenbrechen, wenn der Barrelpreis dauerhaft unter 80 Dollar sänke. Dieser Wert ist inzwischen in gefährliche Nähe gerückt.

Warum aber hat Saudi-Arabien dann in diesem Jahr seinen Ölexport eher intensiviert als gedrosselt? Viele Experten sagen: Saudi-Arabien will den Aufstieg der USA zur Erdöl-Supermacht bremsen, indem sie den Preis niedrig halten. Ein Teil des heute geförderten Schieferöls in den USA verursacht mehr als 80 Dollar Produktionskosten pro Barrel, schätzt die IEA.

Sinkt der Ölpreis auf Dauer unter diese Marke, würde kaum jemand noch auf den amerikanischen Ölfeldern investieren. Saudi-Arabien mit seinen niedrigen Produktionskosten bliebe die Nummer eins auf dem Weltmarkt.

Die Strategie ist freilich in der saudischen Führung umstritten: Was hat das Herrscherhaus von zukünftiger Marktmacht, wenn zuvor der eigene Staatshaushalt zusammenbricht? Prinz Al-Waleed, der reichste Mann unter den vielen Neffen des Königs, hat Ölminister Ali Al-Naimi daher öffentlich aufgefordert, endlich die Ölproduktion zu drosseln.

Seitdem hält der Streit unter den saudischen Scheichs an. Der Termin für einen möglichen Kurswechsel steht aber schon fest: Am 27. November tagen in Wien die Minister der Opec-Staaten. Mineralölhändler und Hausbesitzer sollten Heizöl- und Benzintanks nach Möglichkeit vorher füllen.

Quelle: WirtschaftsWoche Online, 04. November 2014